02.05.2017

Genderranking 2017: Macht zu gleichen Teilen?

Nur 8,2 Prozent der Oberbürgermeister*innen sind weiblich! Im neuen Genderranking der Heinrich-Böll-Stiftung wurden 73 deutsche Großstädte anhand ihrer Frauenanteile in kommunalpolitischen Führungspositionen miteinander verglichen. Spitzenreiterin ist in diesem Jahr die Stadt Erlangen – gefolgt von Trier und Frankfurt am Main.

Foto: Barni1. Public Domain.

Das vierte Genderranking, das die Fernuniversität Hagen im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung erstellt hat, zeigt ein zweigeteiltes Bild für deutsche Kommunen: von 2008 bis 2017 ist der Anteil der Oberbürgermeisterinnen stark eingebrochen  –  von 17,7 Prozent auf nunmehr 8,2 Prozent. Der Frauenanteil unter den Dezernent*innen ist im selben Zeitraum dagegen stark und kontinuierlich gestiegen:  von 18,5 Prozent 2008 auf 29,1 Prozent 2017. Möglicherweise ist das darauf zurückzuführen, dass Dezernent*innen stärker als rein politische Ämter aufgrund beruflicher Qualifikationen besetzt werden. Auch die Partei scheint einen Unterschied zu machen, wenn es um Frauenrepräsentanz auf kommunaler Ebene geht. Spitzenreiter sind Bündnis 90/Die Grünen mit der Erfüllung ihrer 50-Prozent-Quote, gefolgt von der Linkspartei mit einem Frauenanteil von 44,4 Prozent (Quote: 50 Prozent) und der SPD mit 37,3 Prozent (Quote: 40 Prozent). Die Quotenparteien besetzen auch Fraktions- und Ausschussvorsitzende deutlich häufiger mit Frauen. Die AfD, die nur in einigen Bundesländern in den Kommunalparlamenten vertreten ist, liegt mit einem Frauenanteil von 11,6 Prozent noch hinter der FDP, die 2008 mit 24,9 Prozent das Schlusslicht bildete und seither ihren Anteil nur geringfügig steigern konnte (auf 26,4 Prozent in 2017). Die CDU erreicht ihr eigenes Quorum von 33 Prozent, das lediglich empfehlenden Charakter hat, nur in 28 der untersuchten Großstädte.

Gleiche parlamentarische Repräsentanz von Männern und Frauen ist also kein Selbstläufer. Es scheint, als mache die Quote einen Unterschied – auch und womöglich gerade auf kommunalpolitischer Ebene. In einem umfangreichen Online-Dossier kommen einige Kommunalpolitikerin zu Wort und kommentieren den jeweiligen Rankingplatz ihrer Stadt. Darüber hinaus ordnet Sabine Drewes, Referentin für Kommunalpolitik und Stadtentwicklung das Ranking in einem lesenswerten Überblick politisch und gesellschaftlich ein.

Wenn Sie Lust bekommen haben, sich über Parität in den Parlamenten zu informieren und auszutauschen, finden Sie hier alle wichtigen Infos zum Thema. Am 17. Mai 2017 veranstaltet das Helene-Weber-Kolleg zudem das Bundesforum Parität „Macht zu gleichen Teilen – Demokratie braucht Parität“ in Berlin – hier geht’s zur Anmeldung.