HINTERGRUNDWISSEN

Nachwuchskräfte gewinnen und fördern

Kurz gesagt ist Mentoring eine Förderbeziehung zwischen zwei Personen, die sich auf unterschiedlichen Erfahrungs- und Hierarchieebenen befinden. In der Regel berät eine beruflich erfahrene Person oder Führungskraft (Mentor/in) eine andere, meist jüngere Person (Mentee), die sich am Anfang ihrer beruflichen oder politischen Laufbahn befindet.

Ob in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Verwaltung: Mentoring hilft den Mentees, sich persönlich und fachlich weiterzuentwickeln, die eigene berufliche oder politische Laufbahn zu planen und Zugang zu informellen Strukturen und Netzwerken zu finden. Die Mentorin oder der Mentor wirkt als Vorbild, gibt Anregungen oder unterstützt bei Schwierigkeiten. 

Dabei profitieren die Mentorinnen und Mentoren auch selbst. Sie erhalten beispielsweise neue Ideen und Impulse von jüngeren Kolleginnen und Kollegen, reflektieren die eigene Arbeit, trainieren ihre sozialen und kommunikativen Kompetenzen und erhalten neue Motivation für die eigene Arbeit.

Die Ziele des Mentoring können abhängig vom jeweiligen Kontext ganz verschieden sein: An Hochschulen beispielsweise kann Mentoring die Chancen beim Einstieg in den Beruf verbessern, an Schulen dient es der beruflichen Orientierung, ein Unternehmen kann es zum Beispiel zur längerfristigen Bindung von Angestellten oder als Personalentwicklungsinstrument einsetzen. Mentoring kann auch gezielt dafür eingesetzt werden, die Potenziale von Frauen besser zu erschließen und Frauen als Führungskräfte zu gewinnen. Viele Unternehmen und Hochschulen bieten mittlerweile Mentoringprogramme gezielt für Frauen an, aber auch im politischen Bereich gewinnt Mentoring in diesem Zusammenhang an Bedeutung. 

Was sind die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Mentoringprogramm? 

Entscheidend für den Erfolg der Programme ist ein systematisches Vorgehen unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist zum Beispiel die Auswahl der Mentees und Mentor/innen und das Bilden der Tandems (Matching). Nicht jede/r ist als Mentee oder Mentor/in geeignet. Bei beiden muss eine eigenverantworliche Bereitschaft dafür bestehen, Kraft und Zeit in die Mentoringbeziehung einzubringen. Um die Verbindlichkeit aller Beteiligten zu erhöhen und gute Rahmenbedingungen für eine vertrauenvolle Zusammenarbeit zu schaffen, sollten die Tandems eine Mentoringvereinbarung zur genauen Ausgestaltung der Mentoringbeziehung treffen. Qualifizierungsseminare und organisierte Begleitveranstaltungen während des Programms bieten die Gelegenheit andere Tandems kennenzulernen. Dadurch können Netzwerke geknüpft werden, die auch nach dem Ende des Programms fortbestehen.  

Im Mai 2012 wurde die „Deutsche Gesellschaft für Mentoring“ (DGM) gegründet. Die Gründung des Verbands ist ein wichtiger Schritt zur Qualitätssicherung, Verbreitung und Weiterentwicklung von Mentoring. Die DGM bietet zudem ein Forum für die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch in der Mentoring-Fach-Community. Jahreskongresse, Fachkonferenzen und Arbeitsgruppen sollen zur Verbreitung von hochwertigem Mentoring beitragen. Lesen Sie hier die Qualitätsstandards im Mentoring wie sie die Expert/innen der DGM formulieren.