Starten Sie in die Kommunalpolitik!

Schritte in die Politik

Schritte in die Politik

Sie sind daran interessiert, was um Sie herum passiert. Sie können gut organisieren, zuhören, vermitteln und erklären. Sie engagieren sich vielleicht schon ehrenamtlich für Kultur, Umwelt oder Sport? Sie finden jedoch, dass Ihre Anliegen und Themen in Ihrer Kommune nicht gut genug vertreten sind und dass zu wenige Frauen in politischen Ämtern aktiv sind? Warum entscheiden Sie nicht einfach mit einem politischen Mandat direkt mit? Frauen, die sich politisch engagieren, haben dafür sehr gute Gründe. Aber der Reihe nach: Was hindert Frauen eigentlich daran, in die Politik einzusteigen?

Wer Politik macht, braucht Zeit. Das politische Engagement wird wesentlich von Fürsorgepflichten für Kinder einerseits und der Erwerbssituation andererseits bestimmt. Ein Viertel der ehrenamtlichen Kommunalpolitikerinnen - und damit die größte Gruppe - hat weder Kinder im Haushalt noch eine Erwerbstätigkeit, das zeigt die Studie "Engagiert vor Ort". Der Großteil von ihnen sind zwar Mütter, jedoch sind ihre Kinder entweder „aus dem Gröbsten raus“, oder sie haben Partner, die maßgeblich bei der Fürsorge unterstützen. Die Studie spricht hier eine sehr deutliche Sprache: Ehrenamtliches wie hauptamtliches politisches Engagement muss besser mit anderen Lebensbereichen vereinbar sein, damit nicht nur Menschen ohne Fürsorgeverpflichtungen in der Kommunalpolitik vertreten sind. Die Frage der Vereinbarkeit von Politik mit anderen Lebensbereichen stellt sich für die Ratsfrauen als ein „Spagat hoch drei“ zwischen Familie, Beruf und Ehrenamt dar. Für die Landrätinnen und (Ober-) Bürgermeisterinnen geht es um die auch für andere gesellschaftliche Bereiche zunehmend thematisierte Herausforderung, Karriere bzw. Führungstätigkeit mit Privatleben und/oder Familie in Einklang zu bringen.

Kommunalpolitikerinnen geben außerdem männlich dominierte Strukturen als einen der Hauptgründe an, die Frauen vom Schritt ins politische Engagement abhalten. Hier fallen Stichwörter wie “Arbeitsklima und Arbeitsweise”, “Sitzungs- und Redekultur” oder auch “Parteidisziplin und Fraktionszwang”. Dabei geht es um häufig unreflektierte kulturelle und strukturelle (Ausschluss-) Mechanismen, die Frauen trotz vorhandenen Ehrgeizes und passender Qualifikation von außen gewissermaßen „ausbremsen“ und ihren politischen Ein- und/oder Aufstieg erschweren oder gar verhindern. Die aktuelle Debatte um die Modernisierung bzw. Professionalisierung von (Kommunal-) Politik ist ein wunderbares Trittbrett auch für die Debatte um die Frauenfrage in der (Kommunal-) Politik. Es sind ganz klar die unmodernen bzw. unprofessionellen kulturellen und strukturellen Gegebenheiten – und nicht etwa das fehlende politische Potenzial der Frauen, die die Über- und Unterrepräsentanzverhältnisse systematisch und hartnäckig aufrechterhalten und deren Reform die politische Beteiligung von Frauen zweifelsohne ein gutes Stück voranbringen würde.

Viele Frauen fühlen sich in der Parteipolitik nicht zuhause. Sie ziehen es vor, sich in anderen Bereichen zu engagieren, vor allem in Initiativen oder Vereinen im Umwelt-, Sozial- oder Kulturbereich. Dazu kommen, vielfach unter der jüngeren Generation, generelle Vorbehalte gegenüber Parteipolitik. Frauen erleben auch wenige Vorbilder und werden seltener als Männer angesprochen und ermutigt, ein Mandat zu übernehmen. Dabei ist die Ansprache ein ganz wesentlicher Faktor, wie (nicht nur) Frauen zur Übernahme eines Mandats motiviert werden können. Manche Frauen trauen sich Kommunalpolitik nicht zu, obwohl für den Einstieg gesunder Menschenverstand und die Bereitschaft, sich einzuarbeiten, ausreichen.

Frauen, die Politik machen, haben dafür gute Gründe!

„Wenn ich in eine Sitzung reingehe, denke ich oft: jetzt geht’s los. Ich bin gut vorbereitet und will argumentieren, möchte etwas auf die Beine stellen. Wenn ich ehrlich bin, freue ich mich manchmal richtig, dass ich mich so auseinandersetzen kann.“ (Antoinette Göggerle, Gemeinderätin in Meckenbeuren im Bodenseekreis)

„Die Leute, die sich nicht engagieren, haben das einfach noch nicht erlebt. Ich glaube, es ist eine ganz wichtige Erfahrung, dass Engagement Spaß macht.“ (Angela Dorn, Stadtverordnete in Marburg)

Die beiden Zitate illustrieren beispielhaft: Frauen, die Kommunalpolitik machen, haben dafür gute Gründe. Sie wollen sich in politische Angelegenheiten einmischen, weil sie eigene Ideen umsetzen wollen. Sie nehmen Mängel in ihrer Kommune wahr und wollen etwas besser oder mindestens anders machen. Sie wollen nicht anderen das Feld überlassen, sondern selbst mitreden und entscheiden. Erfahrene Kommunalpolitikerinnen wissen, dass sich ihr Engagement lohnt:

  • Sie bewirken etwas und bewegen ihre Kommune.
  • Sie eignen sich neue, interessante Themen an und erweitern ihren Wissenshorizont.
  • Sie haben Freude daran, sich für andere einzusetzen und selbst Anerkennung und Bestätigung zu erfahren.
  • Sie lernen dazu und erwerben neue Fähigkeiten und Kompetenzen.
  • In der Kommunalpolitik werden zusätzlich Kompetenzen erworben, die in allen Bereichen des Lebens wichtig und nicht zuletzt im Beruf gefragt sind. Kommunalpolitik erfordert Kreativität, Durchsetzungsfähigkeit, Mut, Ausdauer und oft eine gute Portion Humor.

 

Starten Sie jetzt in die Kommunalpolitik!

Viele Kommunalpolitikerinnen haben sich zu Beginn ihrer Karriere oft die gleichen Fragen gestellt: Kann ich das überhaupt? Möchte ich tatsächlich Mitglied einer Partei sein oder halte ich mich doch lieber raus? Bringe ich das Engagement für Politik mit Familie und Beruf unter einen Hut? Was es für einen Aufwand bedeutet, ein öffentliches Amt zu übernehmen, ist vorher oft schwer abzuschätzen. Daher heißt es: Nicht lange zögern, sondern machen. Nutzen Sie das Informations- und Veranstaltungsangebot des Helene Weber-Kollegs: 

  • Im Aktionsleitfaden finden Sie Ideen und praktischen Tipps, wie Sie Frauen für Kommunalpolitik gewinnen können.