HWK IN TUNESIEN

Workshops

Mit Trainings- und Vernetzungsangeboten für Multiplikatorinnen werden gute Praktiken zur Gewinnung und zur Qualifizierung von Frauen für politische Ämter vermittelt.

Wichtiger Bestandteil des Projekts "Demokratie braucht Frauen!" ist die Entwicklung und Durchführung von Workshops für Multiplikatorinnen. Diese werden in enger Abstimmung mit CREDIF veranstaltet. Die Workshops geben Anregungen für die Ausgestaltung von kommunal- bzw. regionenbezogener Politik unter gleichstellungspolitischen Gesichtspunkten, sie befördern die Zusammenarbeit zwischen Vertreterinnen der Administration, der Parteien und zivilgesellschaftlicher Organisationen und vermitteln gute Praktiken zur Gewinnung und zum Empowerment von Frauen für politische Ämter und Mandate. 

Es sind vier Workshops in unterschiedlichen Regionen und Städten geplant. Teilnehmen werden Parlamentarierinnen und Vertreterinnen der Parteien in führender  Position ebenso wie  Vertreterinnen der Administration auf nationaler und kommunaler Ebene sowie Vertreterinnen relevanter zivilgesellschaftlicher Organisationen.  

Die Workshops werden 2013 voraussichtlich folgendermaßen stattfinden: 

  • 03.05.-04.05.: Workshop 1 in Le Kef
  • 31.05.-01.06.: Workshop 2 in Sousse
  • 05.07.-06.07.: Workshop 3 in Sfax
  • 13.09.-14.09.: Workshop 4 in Gafsa
  • 11.10.: Abschluss in Tunis

Gelungener Workshop in Sousse

Der zweite Multiplikatorinnen-Workshop im Projekt „Demokratie braucht Frauen“ hat vom 31.05. bis 01.06. in Sousse stattgefunden. Frauen aus der Stadt selbst sowie der umgebenden Sahel-Region waren eingeladen, sich über Strategien und Techniken für mehr politische Partizipation von Frauen auszutauschen. Und sie kamen: Weit mehr als die vorgesehenen 25 Teilnehmerinnen hatten sich angemeldet und trugen sich sogar in Wartelisten ein, um an dem Treffen teilnehmen zu können.

Im Konferenzsaal werden wir Zeugen eines sehr tunesischen Austausches: Nachdem zunächst jede der Teilnehmerinnen sich und ihre Organisation ausführlich vorstellt – oft kennen sich die noch jungen NGOs untereinander selbst innerhalb der Region nicht gut – geht es direkt ans Eingemachte, ans Politische. Als deutsche Beobachterin registriert man hier erstaunliches: Zunächst verhärtet erscheinende Fronten, zwischen religiösen und säkularen, urbanen und ländlichen, zivilgesellschaftlichen und politischen Frauen wie Organisationen werden unwichtig und verschwimmen. Anhängerinnen der islamischen Regierungspartei Nahda werfen dieser Versagen in Frauenfragen vor, Vertreterinnen von Kulturorganisationen fordern mehr weibliche Kandidaturen für politische Ämter und Gewerkschafterinnen kritisieren die Benachteiligung von Frauen in ländlichen Regionen. Eines wird jedoch klar: Tunesiens Frauen wollen etwas ändern; für sie ist die Revolution noch lange nicht erledigt.

Dass sie heute weniger auf der Straße als vielmehr in politischen Ämtern fortgeführt wird, darüber sind sich die meisten einig. Im Training für politische Kommunikation, dem zweiten Teil des Workshops, kamen viele kritische Nachfragen, wie sich weibliche Kandidatinnen und Politikerinnen in der männlich geprägten politischen Welt durchsetzen und Wähler wie Wählerinnen überzeugen können. Und auch auf zivilgesellschaftlicher Ebene soll viel passieren in Sousse. Die beteiligten Organisationen wollen zukünftig enger zusammenarbeiten und Synergien kreieren für ein gemeinsames Ziel: Mehr politische Partizipation von Frauen im neuen, demokratischen Tunesien.

Erster Workshop in Le Kef

Vom 3. bis 4. Mai fand der erste Workshop vor Ort statt. In der Stadt Le Kef im Südosten Tunesiens kamen 30 Multiplikator/innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik zusammen, um 2 Tage lang über Strategien zur Gewinnung von Frauen für die Politik zu beraten. In den ländlichen Regionen Tunesiens gibt es für Frauen kaum Möglichkeiten zusammenzukommen und sich auszutauschen. Umso engagierter nutzen die Teilnehmerinnen die Chance ihre Anliegen zu diskutieren.

Die Sozialwissenschaftlerin Dorra Mahfoudh präsentierte eine Übersicht zur aktuellen Situation von Frauen in Tunesien nach der Revolution und diskutierte die Einschätzungen und Erfahrungen der Teilnehmerinnen. Mit Olfa Khall Arem erhielt die Gruppe ein exzellentes Training in politischer Kommunikation, das auch die kulturellen Bedingungen für Tunesierinnen zum Inhalt hatte.

Die EAF trug mit ihren Erfahrungen und Instrumenten zur Bildung von Netzwerken bei und berichtete von Good Practice Beispielen aus Deutschland. Hierzu zählt auch die Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“, die in Tunesien in arabischer Sprache in weiteren Regionen gezeigt wird und auf lebhaftes Interesse stößt.

Der Workshop wurde von der EAF in Kooperation mit dem tunesischen Centre de Recherches, d'Etudes, de Documentation et d'Information sur la Femme (CREDIF) veranstaltet. Weitere Informationen zum Programm, den Inhalten und den Ergebnissen des Workshops finden Sie demnächst auf diesen Seiten.