Interview mit Dorothea Maisch

HAUPTPREISTRÄGERIN 2009

 

Was ist ihre aktuelle Funktion in der Kommunalpolitik?

Seit August diesen Jahres bin ich Fraktionsvorsitzende der Stadtratsfraktion im Gaggenauer Gemeinderat und ich bin Kreisrätin im Landkreis Rastatt.Warum sind Sie in die Kommunalpolitik gegangen? Was hat Sie daran gereizt?

Ich finde die Kommunalpolitik ist ein sehr interessantes Feld, das auch sehr viele Themen bearbeitet, die Frauen direkt betreffen, es bietet einem die Möglichkeit sich persönlich selbst weiterzuentwickeln. Diese Chance fand ich ganz spannend. Für mich war es auch ganz wichtig, mich einzubringen, insofern selbst agieren zu können und nicht nur zu reagieren.

Was wäre denn so ein Thema, das Frauen direkt betrifft. Können Sie dazu ein Beispiel nennen?

Das beginnt natürlich mit der Kinderbetreuung - gerade im kommunalen Bereich ein ganz aktuelles Thema. Es hat auch Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Bereich – für Frauen in der Berufstätigkeit: Welche Rahmenbedingungen schaffen wir auf kommunaler Ebene, um hier einen attraktiven Standort für Frauen zu geben? Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sind hier die Kommunen ganz stark gefordert und wir, wir Frauen, müssen uns aktiv einbringen.

Gab es denn Personen, die Sie auf Ihrem Weg in die Kommunalpolitik unterstützt oder gefördert haben?

Ja, die gab es. Wir hatten hier vor Ort eine Kommunalpolitikerin, die inzwischen längst ausgeschieden ist, die mich sehr aktiv unterstützt hat. Des Weiteren habe ich an einem Mentoring-Programm des Landes Baden-Württemberg 2004 teilgenommen. Das Programm „Tandem in der Politik“ hatte zum Ziel Frauen für die Kommunalwahl fit zu machen und zu motivieren zu kandidieren. Das war eine sehr große Unterstützung für meine Arbeit und hat mich auch im Vorfeld schon fit gemacht, sodass ich wusste was auf mich zukommt.Was ist Ihr persönliches Highlight in Ihrer kommunalpolitischen Tätigkeit?

Mein persönliches Highlight war natürlich der Helene Weber-Preis und 2009 Hauptpreisträgerin zu sein. Das hat mich in meiner Arbeit sehr bestärkt. Es war ein ganz besonderes Erlebnis.

Wie hat sich denn der Helene Weber-Preis für Sie ausgewirkt?

Ich nehme an, es hat Einiges an öffentlicher Aufmerksamkeit gebracht. Ja, er brachte sehr viel öffentliche Aufmerksamkeit. Er bietet die Möglichkeit überregionale Kontakte zu knüpfen und Netzwerke zu knüpfen. Er ist für mich eine ganz persönliche Stärkung gewesen und hat meinen Bekanntheitsgrad gefördert. Doch das ganz Besondere und Tolle daran, war für mich, die Möglichkeit andere Frauen für die Kommunalpolitik zu motivieren. Ich kann über diesen Helene Weber-Preis immer wieder aufmerksam machen. Wir haben einen frauenpolitischen Stammtisch gegründet, der sich zu verschiedenen Themen äußert. Das sind alles Möglichkeiten, die ich vorher nicht gehabt hätte.

Sie sind die Hauptpreisträgerin vom Helene Weber-Preis 2009. Es gab insgesamt, mit Ihnen zusammen, 15 Preisträgerinnen, woraus ein recht aktives Netzwerk entstanden ist. Wie arbeiten Sie zusammen?

Wir haben eine sehr kollegiale Zusammenarbeit und uns ist wichtig, dass alle Preisträgerinnen immer mit einbezogen werden. Wir erhalten in der Zusammenarbeit Unterstützung von den parteinahen Stiftungen und jedes Mal, wenn wir uns treffen, so zwei- bis dreimal im Jahr, haben wir auch immer einen Referenten, der unsere kommunalpolitische Arbeit unterstützt. Dies bekommen wir derzeit über die parteinahen Stiftungen finanziert. Ganz wichtig ist uns auch der Austausch im Netzwerk.

Sie sind aber, wenn ich nachfragen darf, ein parteiübergreifendes Netzwerk – und das funktioniert auch?

Das funktioniert hervorragend! Gerade weil wir dadurch konkurrenzlos sind, da wir nicht in unmittelbarer Nähe zueinander wohnen. Wir machen auch die Erfahrung, dass Frauen, egal aus welcher Partei sie kommen, mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben und vor gleichen Herausforderungen stehen. Das fördert den Austausch ungemein. Da können wir unendlich viel zusammenarbeiten und von den Erfahrungen der anderen profitieren.

Sie haben sich ja auch als Gruppe der Preisträgerinnen stark dafür eingesetzt, dass es wieder einen Helene Weber-Preis 2011 gibt. Damit verbunden wird auch ein Helene Weber-Kolleg aufgebaut. Warum ist das so wichtig?

Wir sehen es so, dass wir den Helene Weber-Preis an neue Standorte in Deutschland bekommen, wo Preisträgerinnen sind und wir dadurch eine breitere Arbeitsbasis erlangen. An diesen Standorten können dann neue Preisträgerinnen genau die gleichen Akzente setzen und vom gesamten Netzwerk profitieren. Unser Ziel ist es und wir fühlen uns dazu verpflichtet den Grundgedanken der vier Mütter des Grundgesetzes, wie können wir es unterstützen, dass mehr Frauen sich in der Kommunalpolitik engagieren? Leider ist es ja derzeit eher rückläufig/dass wir weniger Mandatsträgerinnen haben und daher sehen wir es als ausgesprochen notwendig an, hier Akzente zu setzen. Je großflächiger wir arbeiten können, desto mehr Frauen können wir erreichen.

Sie sprachen vorhin auch von Problemen und Herausforderungen, die Frauen in der Politik, auch in der Kommunalpolitik, begegnen. Haben es Frauen schwerer in der Politik? Was ist da Ihre Meinung?

Der Einstieg für Frauen ist sicher eine große Herausforderung, zu sagen: ‚Jawoll, ich engagiere mich!‘ Frauen haben nach wie vor die Problematik auch des familiären Umfeldes. Hier bedarf es der Unterstützung der Familie, gerade wenn kleinere Kinder da sind. Aber ich kann nur sagen: Es lohnt sich! Aber auch dann, wenn wir in der Politik sind und verschiedene Karrierestufen erreichen wollen, haben wir natürlich die Konkurrenzsituation mit den Männern. Frauen müssen sich hier behaupten. Aber wir Frauen müssen auch diese Behauptung wollen, den Weg gehen und sagen: ‚Wir wollen auch an der Gestaltungsmöglichkeit teilhaben‘. Da sind die Frauen natürlich auch selbst gefordert.

Die Frauen sind auch selbst gefordert, sozusagen den Mut aufzubringen, zu sagen: „Ich gehe da hinein, in dieses Feld“. Sie sagten vorhin auch „es lohnt sich“. Wie kann man Frauen ermutigen sich in dieses Feld zu begeben; in eines, welches sicherlich nicht immer nur Freude macht, aber eben doch offenbar viel Befriedigung bringt?

Wir persönlich haben hier vor Ort in der letzten Kommunalwahl ein sehr gutes Ergebnis geschafft und sehr viele Frauen dazu motivieren können, zu kandidieren und wir haben auch den Sprung ins Kommunalparlament geschafft. Hier sind einfach die Gestaltungsmöglichkeiten, die Frauen sehen und auch zu zeigen: Hier könnt ihr euch mit einbringen. Frauen können sehr diplomatisch sein, können auch sehr strategisch denken und es macht dann auch richtig Spaß, wenn man hier die Arbeit vor Ort gestalten kann.

Wir sprachen bereits über das Helene Weber-Kolleg, welches aufgebaut werden soll, als ein Ort der Vernetzung von Frauen in der Kommunalpolitik. Was ist ein besonders gutes Instrument?

Ganz wichtig ist hier der Bereich des Mentorings. Wir können über das Helene Weber-Kolleg jetzt ein Mentoring-Programm aufbauen und dadurch junge Frauen, das ist unser Ziel, für die Kommunalpolitik interessieren. Die Mentorinnen, erfahrene Kommunalpolitikerinnen, nehmen eine junge, noch-nicht-Politikerin, mit an die Hand und geben diesen hier die Möglichkeit Einblicke in den politischen Alltag zu gewinnen. Wir sind davon überzeugt, dadurch wirklich weitere Frauen für die Kommunalpolitik gewinnen zu können. Das Mentoring und das Helene Weber-Kolleg bieten uns natürlich auch die Basis, die überparteiliche Arbeit vor Ort voranzutreiben. Das ist eine große Chance des Kollegs.

Vielen Dank, Frau Maisch.