Seminar: Stimme – Stimmung – stimmig

Helene Weber-Preisträgerin Julia Frank hatte in ihrer bisherigen Laufbahn den Eindruck: Frauen reden anders. Männer auch. Um mehr darüber herauszufinden, organisierte sie in Schwäbisch-Gmünd ein Seminar zum Thema geschlechter- spezifische Kommunikation mit der Schauspielerin und Sprachtrainerin Annabella Akçal. Wir wollen gerne ein bisschen mehr zu diesem spannenden Thema von ihr erfahren: 

Wer waren die 18 teilnehmenden Frauen und welche Erfahrungen haben sie mitgebracht?

Altersmäßig ging die Spanne von Mitte 20 bis Mitte 60.  Da waren Frauen, die beruflich oder im Ehrenamt reden müssen, Frauen, die gerade wieder in den Beruf eingestiegen sind und auf diesem Wege etwas Sicherheit gewinnen wollten, andere kamen aus reinem Interesse. 

Hochinteressant war, dass auch einige Frauen mit Migrationshintergrund teilnahmen, die noch nicht lange in Deutschland leben und daher mit gewissen Sprachschwierigkeiten kämpfen mussten, insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen dieses Seminars. Für sie hat die Teilnahme an der Veranstaltung sicher einige Überwindung gekostet. Im Ergebnis hat sich aber gezeigt, dass diese kleinen Unzulänglichkeiten nicht überbewertet werden sollten – authentische Handlungskompetenz steht vor übersteigertem Perfektionsstreben.

Erfreulicherweise konnte ich auch einige Teilnehmerinnen aus den letzten HWK-geförderten Veranstaltungen – „Gehör finden in der Öffentlichkeit“ und „Virtuelle Realitäten, Hirnhälften und Frauen vernetzen“ – begrüßen. 

Wie haben Sie im Seminar gearbeitet?

Während es in den vorhergehenden Seminaren im Schwerpunkt um Frauennetzwerk, Aufbau und Inhalte von Reden, Pressemitteilungen usw. ging, stand hier das Instrument Stimme im Vordergrund. Im ersten Schritt ging es darum, die Grundlagen für ein wirksames Redeverhalten kennenzulernen und das eigene Redeverhalten zu reflektieren. Dann wurde praktisch geübt, wie man die persönliche Wirkung steigern kann, es wurde an der Sprachtechnik gefeilt, aber auch der Umgang mit Lampenfieber behandelt. Es ging um praktische Erfahrungen, z.B.: Wer unsicher und ausdruckslos wirkt, aber auch, wer sich selbst zu wichtig nimmt, wird sein Kommunikationsziel kaum erreichen. Frauen neigen außerdem dazu, bei „Überzeugungsdruck“ die Stimme - die Sprachgrundfrequenz einer weiblichen Stimme liegt bei ca. 170 Hz  –  auf ca.  200 Hz zu erhöhen, was sich negativ auf die Aufnahmebereitschaft der Zuhörer/innen auswirkt. 

In diversen Sprechübungen wurde trainiert, wie Aussagen verstärkt, wie man der Stimme mehr Volumen gibt, wie Redundanzen – richtig eingesetzt – die Botschaft verstärken, wie durch Stimmmodulation Kontakt zum Zuhörer hergestellt werden kann, Körper und Stimme zusammenspielen. 

Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Zunächst einmal waren wir von der großen Teilnehmerinnenzahl an einem sonnigen Samstagmorgen überrascht. Auch die latente Befürchtung, dass die Scheu, sich vor der Gruppe zu präsentieren, den Ablauf hemmen könnte, hat sich schnell gelegt. Ich denke, dass insbesondere die Eigendynamik des Gruppenprozesses zu einem fast   professionellen Umgang mit der eigenen Wirkung, mit Fehlern und Kritik geführt hat.

In den praktischen Übungen wurde deutlich: Jeder Mensch hat sich im Laufe seines Lebens für bestimmte Situationen Automatismen und Bewältigungsstrategien angeeignet, die unbewusst ablaufen und die teilweise unbeabsichtigte und unerwünschte Außenwirkung haben. Wenn man sich deren bewusst ist, kann man sie  - überraschend schnell - abstellen.

Denn: Inhalt ist nicht alles: Gehört wird man nur, wenn Betonung, Stimmfrequenz, Atmung, Körpersprache stimmen – solange die Person authentisch bleibt. Und das ist trainierbar, und zwar in kurzer Zeit. Vom ersten zaghaften – authentischen – Vorstellen bis zum durchweg gelungenen freien Vortrag zum Abschluss verging nur ein Vormittag. Unvorstellbar, welche Fortschritte bei professionellem Training in kürzester Zeit möglich sind. Wobei sich zu Seminarbeginn alle Vorurteile über weibliches Kommunikationsverhalten in Summe – verteilt auf die Teilnehmerinnen  - bestätigt hatten.

Und noch zwei Ereignisse am Rande: Zwei Teilnehmerinnen hatten bereits an den beiden letzten Seminaren teilgenommen und waren so ermutigt, bei der Gründung des Kreisfrauenrates Ostalb für den Vorstand zu kandidieren. Eine von ihnen wurde zur Pressereferentin gewählt, die andere ist Beirätin und Expertin für Infrastruktur. Und – ich habe eine engagierte Mentee im Rahmen dieses Seminars gefunden!

Planen Sie weitere Seminare dieser Art?

Das Feedback am Ende des Seminars stellt eine starke Motivation in dieser Richtung dar. Jede Teilnehmerin hat ihre  persönlichen Stärken und Schwächen festgestellt, alle wünschten sich Folgeseminare – auch bei höherer eigener finanzieller Beteiligung.  Wünsche der Teilnehmerinnen für weitere Veranstaltungen waren z.B. die professionelle Vorbereitung von Vorträgen oder wie Schlagfertigkeit geübt werden kann – kurz: die individuellen rhetorischen Qualitäten weiter zu trainieren. 

Stimmtrainerin Annabella Akçal, Helene Weber-Preisträgerin Dr. Julia Frank, Frauenbeauftragte Elke Heer (v.l.n.r.)