„Mehr Frauen in die Kommunalpolitik“ – Initiative in Speyer

In Speyer sind von 44 Stadtratsmitgliedern derzeit 17 Frauen. Im Vorfeld der Kommunalwahl 2014 hat sich eine fraktionsübergreifende Arbeitsgemeinschaft gegründet, um den Frauenanteil auf den Wahllisten und im Stadtrat zu erhöhen. Bürgermeisterin Monika Kabs erzählt uns mehr zu dieser Initiative.

Bürgermeisterin Monika Kabs

Frau Kabs, Sie sind Bürgermeisterin der Stadt Speyer und Schirmfrau der Initiative „Mehr Frauen in die Kommunalpolitik“. Was sind die Ziele dieser Kampagne?

Das Ziel haben wir in der Überschrift mehr als deutlich formuliert – mehr Frauen in die Kommunalpolitik! Fakt ist, dass immer noch wesentlich weniger Frauen als Männer in den Kommunalparlamenten vertreten sind und der Anteil bundesweit nur langsam steigt. 

Ziel muss es sein, eine Ausgewogenheit in den politischen Entscheidungsgremien  zu erreichen. Die Gemeinschaftskampagne in Speyer möchte, dass mehr Frauen auf die Möglichkeit der politischen Beteiligung aufmerksam werden.

 

Mit welchen Maßnahmen planen Sie Ihre Ziele zu erreichen? 

Wir haben ganz unterschiedliche Aktionen geplant, die sich erheblich von dem unterscheiden, was man sich so unter einer politischen Veranstaltung vorstellt.

Begonnen haben wir mit einer Ausstellungseröffnung mit dem Titel „Alles Gender – oder was?“, die das Ergebnis eines Plakatwettbewerbs ist, in dem sich Studentinnen und Studenten mit künstlerischen Mitteln ihre Gedanken zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft gemacht haben. Im Anschluss daran folgte ein „Frauenpolitischer Rathausrundgang“, um interessierten Bürgerinnen Orte der politischen Entscheidung zu zeigen und es bestand die Möglichkeit zum gemeinsamen Gespräch. Diese Veranstaltung kann man als äußerst gelungen betrachten, sie erfreute sich eines außerordentlich großen Zuspruchs. Interessant wird es sicher auch bei dem „Frauenpolitischen Speed-Dating“, wo sich Bürgerin und Kommunalpolitikerin zum Austausch treffen. Parallel dazu gibt es noch eine Seminarreihe für Frauen, die in Kooperation mit unserer VHS durchgeführt wird.

 

Wer nimmt an dieser fraktionsübergreifenden Initiative teil? Wie gestaltet sich die parteiübergreifende Zusammenarbeit? 

Als Koordinatorinnen sind die beiden Gleichstellungsbeauftragten Ute Brommer und Inge Trageser-Glaser beteiligt. Des Weiteren nehmen Ratsfrauen unterschiedlicher Fraktionen teil.

Die parteiübergreifende Zusammenarbeit gestaltet sich durchweg positiv, nicht zuletzt deshalb, weil sich die meisten Protagonistinnen bereits seit vielen Jahren durch die gemeinsame Arbeit im Rat kennen- und schätzengelernt haben. Allen ist bewusst: hier geht es um das gemeinsame Ziel „mehr Frauen in die Kommunalpolitik“ und nicht ausschließlich um parteiinterne Diskussionen.

 

Sind Sie vernetzt mit ähnlichen Initiativen in Rheinland-Pfalz oder anderen Bundesländern? 

Bundesweit geben die Ministerien auf ihren Internetseiten Impulse für Aktionen und Kampagnen. Das Motto des Bundesministeriums lautete 2008 „FRAUEN MACHT KOMMUNE".

 

...und heute lautet es „FRAUEN MACHT POLITIK!“

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten hat zur Bundestagswahl   „Wahlprüfsteine“ entwickelt. In Rheinland-Pfalz gibt es seit 2008 das Bündnis ,,Frauen machen Kommunen stark". Diesem Bündnis gehören zahlreiche Frauenorganisationen an, die meist überparteilich aktiv sind. Ebenso werden Mentoringprojekte durchgeführt, in denen Politikerinnen ihre Erfahrungen an Neueinsteigerinnen weitergeben. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten hat einen Flyer veröffentlicht unter der Devise: "SIE! wählen in Rheinland-Pfalz". In Speyer arbeiten wir mit einem übergreifenden lokalen Netzwerk, das wir selbst geknüpft haben. Mit verschiedenen Aktionsformen, wie z.B. dem Rathausrundgang und dem “Frauenpolitischen Speed-Dating“, möchten wir mehr Kontakt und eine Vertrauensbildung zwischen Politikerinnen und interessierten Bürgerinnen ermöglichen. Danach können, je nach Wunsch, individuelle Treffen vereinbart werden.

 

Frau Kabs, haben Sie herzlichen Dank, wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Initiative und die bevorstehenden Kommunalwahlen!

Stadträtinnen im Foyer des Stadtratssitzungssaales, © Petra Steinbacher