SCHWERPUNKTTHEMA BUNDESTAGSWAHL 2013

Mehr Frauen im Bundestag!

Deutschland hat gewählt und der Frauenanteil im Bundestag wächst um 3,5 Prozent auf 36,4 Prozent. Dies hat vor allem etwas mit dem unerwarteten Ausscheiden der FDP zu tun, die traditionell wenige Frauen in ihrer Fraktion hatte, sowie mit dem gestiegenen Frauenanteil der Unionsfraktion. Bisher waren es immer deutlich mehr Männer als Frauen, die in den Bundestag eingezogen sind. 32,9 Prozent betrug der Frauenanteil im letzten Deutschen Bundestag. Im neuen werden es 36,4 Prozent Frauen sein.

Im 18. Deutschen Bundestag werden unter den 630 gewählten Abgeordneten 229 Frauen vertreten sein, damit ist der Frauenanteil um 3,5 Prozent gestiegen. Waren es im vergangenen Bundestag 32,9 Prozent Frauen, lassen sich im aktuellen 36,4 Prozent weibliche Abgeordnete verzeichnen.

Wie sehen die Frauenanteile in den einzelnen Fraktionen aus?

Bei der SPD stieg der Frauenanteil auf 42,2 Prozent: von 192 Fraktionsmitgliedern sind 81 Frauen. In absoluten Zahlen weist die SPD damit den höchsten Frauenanteil im Parlament auf. Mit 56,3 Prozent hat die LINKE die höchste verhältnismäßige Quote mit 36 Frauen von 64 Abgeordneten. Auch bei den GRÜNEN stellen die weiblichen Abgeordneten die Mehrheit (55,6 Prozent), unter den 63 Abgeordneten sind es hier insgesamt 35 Frauen. Obwohl die CDU/CSU-Fraktion ihren Frauenanteil um 5,8% steigern konnte, bildet sie im Bundestag noch immer das Schlusslicht mit 24,8 Prozent Frauenanteil, unter den 311 Abgeordneten finden sich 77 Frauen.

 

Zum Vergleich: die Abgeordneten des 17. Deutschen Bundestages im Überblick

  

  

SCHWERPUNKTTHEMA BUNDESTAGSWAHL 2013

Nur 25,8 Prozent Frauen: Parteien lassen nur wenig Frauen zur Wahl antreten

Am 22. September ist Bundestagswahl. Dann geht es darum, welche Frauen und Männer in den nächsten vier Jahren im Deutschen Bundestag sitzen und die Politik des Landes mitbestimmen. Bisher waren es immer deutlich mehr Männer als Frauen, die in den Bundestag eingezogen sind. 32,9 Prozent beträgt der Frauenanteil im aktuellen Deutschen Bundestag. Damit Frauen Abgeordnete werden können, müssen sie zuvor durch ihre Partei auf die Landesliste gewählt oder im Wahlkreis als Direktkandidatin nominiert werden. Ob die Parteien bei ihren Listenaufstellungen und Nominierungen der Direktkandidaten Frauen berücksichtigt haben zeigt der erste Deutschlandreport der EAF Berlin.

Plenarsaal im Reichstagsgebäude (© Deutscher Bundestag/ Lichtblick/ Achim Melde)

Sowohl auf den Landeslisten als auch unter den Direktkandidaten sind deutlich weniger Frauen als Männer zu finden. Der Frauenanteil über die Bewerber/innen aller Parteien hinweg beträgt lediglich 25,8 Prozent. Betrachtet man die Parteien, die bereits heute im Bundestag vertreten sind und mit großer Wahrscheinlichkeit wieder ins Parlament einziehen, beträgt der Anteil weiblicher Kandidaten immerhin 33,9 Prozent. Dabei ist der Frauenanteil auf den Listen deutlich höher (37,8 Prozent) als bei den Direktkandidaten (29,7 Prozent).

Männerlisten bei der FDP, wenige Frauen unter den Direktkandidaten der CDU/CSU

Die FDP ist das Schlusslicht aller im Bundestag vertretenen Parteien, was den Anteil weiblicher Kandidaten für die Bundestagwahl betrifft. Bundesweit sind nur 20,1 Prozent der FDP-Listenplätze von Frauen besetzt. Mit 40 Prozent Frauen auf der Liste sticht dabei das Saarland positiv hervor. Negative Spitzenreiter sind die FDP-Landesverbände Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, bei denen keine einzige Frau auf der Landesliste zu finden ist. Auf nur drei Listen schaffen es Frauen auf einen der ersten beiden Listenplätze. Die FDP ist die einzige der im Bundestag vertretenen Parteien, die keine Regelung zur besseren Teilhabe von Frauen vorsieht.

Der Frauenanteil auf den Listen der CDU/CSU beträgt im bundesweiten Durchschnitt 34,9 Prozent. Damit erreicht sie auf den ersten Blick ihr Ziel, Frauen zu einem Drittel zu berücksichtigen (CDU-Quorum). Die innerparteiliche Frauenquote von rechnerisch 33,3 Prozent verpasst die CDU in Berlin, Bremen, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ebenso wie die CSU in Bayern. Besonders viele Frauen haben es auf die Landesliste in Baden-Württemberg geschafft, hier beträgt der Frauenanteil 43,6 Prozent. Schaut man genauer hin, trügt das Bild, denn die Union schickt ihre Abgeordneten zum größten Teil über Direktmandate in den Bundestag (2009 waren es 218 von 237 Abgeordneten). Unter den Direktkandidaten sinkt der Frauenanteil bei der Union jedoch rapide auf nur noch 22,4 Prozent. In Baden-Württemberg sind es sogar nur 7,9 Prozent, was das gute Abschneiden auf der Liste stark eintrübt. 

Auch SPD, DIE LINKE und die GRÜNEN halten die eigenen Quoten nicht immer ein

Der Deutschlandreport zeigt, dass auch die drei Parteien mit den verbindlichsten und deutlichsten Quotenregelungen ihre Ziele in einzelnen Bundesländern verfehlen.

Die SPD erreicht ihre selbst gesetzte Frauenquote von 40 Prozent in neun von 16 Bundesländern, bundesweit sind 40,5 Prozent der Listenkandidaten weiblich. Neben der Quote sieht die interne Regelung außerdem vor, dass die Landeslisten alternierend besetzt werden (Reißverschlussprinzip). Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen in dem seit 2010 die SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft an der Macht ist, schneidet die SPD mit 28,6 Prozent Frauenanteil besonders schlecht ab. Positiv jedoch ist, dass vor allem im oberen Teil der Liste das Reißverschlussprinzip gut eingehalten wird und Frauen damit auch auf den aussichtsreichen Plätzen zu finden sind. Erneut trübt sich das Bild aber mit Blick auf die Direktkandidatinnen: Bei der letzten Wahl holte die SPD in diesem Bundesland den größten Teil ihrer Direktmandate (26), der Frauenanteil unter den aktuellen SPD-Direktkandidaten beträgt in Nordrhein-Westfalen aber nur 28,1 Prozent.

Die GRÜNEN und DIE LINKE sind Spitzenreiter

DIE LINKE und die GRÜNEN haben die meisten Frauen auf ihren Landeslisten: Bei der LINKEN beträgt der Frauenanteil im bundesweiten Durchschnitt 50,3 Prozent, bei den GRÜNEN sogar 50,9 Prozent. Beide Parteien sehen eine interne Frauenquote von 50 Prozent vor und halten diese in den meisten Fällen ein. Neben der Quote gilt bei der LINKEN, dass einer der beiden ersten und anschließend alle ungeraden Plätze für Frauen vorbehalten sind. Bei den GRÜNEN sind alle ungeraden Plätze, auch der vorderste, für Frauen reserviert. 

DIE LINKE verfehlt ihre 50-Prozent-Quote bei den Listen in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen. Die GRÜNEN erreichen ihre Quote auf 14 von 16 Landeslisten. In Sachsen verfehlen sie das Ziel nur knapp (6 Frauen, 7 Männer) aber in Thüringen liegt der Frauenanteil mit 27,3 Prozent sehr deutlich unter dem selbst gesteckten Ziel. Darüber hinaus brechen die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland mit ihrer Regel, den ersten Platz an eine Frau zu vergeben. Bei der Wahl 2009 zog in beiden Länder nur dieser erste Listenplatz in den Bundestag.

Über alle fünf Parteien hinweg sind in Thüringen (28,1 Prozent), Nordrhein-Westfalen (34,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (34,1 Prozent) die wenigsten Frauen auf den Landeslisten. Die wenigsten weiblichen Direktkandidaten gibt es in Baden-Württemberg (26,3 Prozent), Bayern (26,8 Prozent) und Thüringen (26,7 Prozent). 

Lesen Sie den vollständigen Deutschlandreport hier.